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Andacht zur Woche vor Ostern - Pastor Henning Seiffert

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Reisen

Am Sonntag beginnt die Woche vor Karfreitag und Ostern. Die stille Woche, die die Passionszeit verdichtet mit Blick auf das Kreuz und das Leiden. Gleichzeitig ist von Ruhe und Stille wenig zu spüren. Zu viel Durcheinander und zu viel Aufregungen rund um die Beschlüsse zum Infektionsschutz. Ein grundsätzliches Gefühl vielleicht auch: Zuviel, was zu ertragen ist. Passion und Pandemie sind nicht nur in diesen Wochen eng verknüpft. Seit über einem Jahr hängen beide miteinander zusammen. Das Leiden und Sterben, das Unausweichliche und die Angst sind zu unseren Begleitern geworden. Wir alle sind zu Beteiligten geworden. Wir alle sind betroffen und eingeholt von den Fragen nach Leben und Tod. Die Worte der Klagepsalmen sind längst zu unseren eigenen geworden: Wie lange noch?

Unter den möglichen Verhaltensweisen in dieser Krise ist eine schon seit damals bekannt. Ausweichen. Die Jünger Jesu wollen nicht wahrhaben, was geschieht. Sie fliehen vor dem Unvorstellbaren und Unausweichlichen. Sie verdrängen die Realität und versuchen, möglichst nicht noch selbst mit hineingezogen zu werden. Als Reaktion ist das verständlich. Die Bedrohung, der Schrecken und die Angst sind dadurch allerdings nicht aus der Welt.

Was also dann? Eine besondere Antwort gibt Rose Ausländer.

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

Anders reisen. Gemeinsam reisen und gemeinsam durchhalten. So, dass eine die andere sieht. So, dass einer den anderen hört. Unterscheiden von Wichtigem und Unwichtigem. Sich gegenseitig helfen. Verzeihen. Nicht ausweichen, sondern hinsehen und gemeinsam tragen. Wie sollten wir das sonst alleine schaffen?

 

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Bild: Kerstin Malterre In: Pfarrbriefservice.de